Kooperationsprojekt mit dem Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) in Tübingen und dem Institut für Informatik der Universität Tübingen

Das gemeinsam Kooperationsprojekt ermöglicht den Besucher*innen des Herzog Anton Ulrich-Museums einen besonderen Zugang zum Wissen rund um die herzogliche Sammlungen.

Weitere Informationen

Informationen zum Kursprogramm und zur wissenschaftlichen Begleitung finden Sie hier und hier

Der Forschungsschwerpunkt des IWM liegt auf Wissenserwerb und Wissenskommunikation mit digitalen Technologien. Untersucht werden klassische Formen von Lehre und Unterricht in den Bereichen Hochschule und Schule sowie Möglichkeiten des Lernens in informellen Situationen, etwa im Museum, im Internet oder am Arbeitsplatz. Die Kognitions-, Verhaltens- und Sozialwissenschaftler forschen interdisziplinär und arbeiten eng mit Experten der Medienentwicklung und Medientechnik zusammen. Das Institut transferiert seine Forschungsergebnisse in die Praxis. Somit leistet das IWM einen wertvollen Beitrag zur Realisierung innovativer mediengestützter Lehr-/Lernszenarien.

Das Besucherinformationssystem „EyeVisit“

In einem von der Leibniz-Gemeinschaft geförderten Kooperationsprojekt haben das IWM, das Institut für Informatik der Universität Tübingen und das Herzog Anton Ulrich-Museum das niederschwellige Besucherinformationssystem „EyeVisit“ entwickelt.

 

Interaktionstisch
Im Raum zur Einführung des Herzog Anton Ulrich-Museums befindet sich ein Interaktionstisch, der sowohl von Einzelbesuchern als auch von Besuchergruppen nutzbar ist. An dem Tisch können zu Beginn oder am Ende eines Ausstellungsbesuchs vertiefende Informationen zum Museum und den Kunstwerken abgerufen werden. Diese multimedialen Materialien – Texte, Abbildungen, Videos – können vom Besucher durch einfache und intuitive Steuergesten wie Drehen, Schieben oder Großziehen erkundet werden.

 

iPad
Mit dem iPad, das von den Besuchern ausgeliehen werden kann, liegt die mobile Variante des Interaktionstisches vor. Über die multimedialen Materialien hinaus hält dieses Gerät verschiedene Audio-Führungen bereit: eine Führung gesprochen von Nina Ruge, eine Variante in Englisch, eine Entdeckertour für Kinder mit den Raben Kolja und Kasimir, erstellt vom büro für kulturelle angelegenheiten, Berlin sowie „Director’s Choice“ – ausgewählte Werke, denen längere Erläuterungen gewidmet sind.

Forschung und Entwicklung
In der Entwicklungsphase wurden umfangreiche Besucherforschungen durchgeführt. So haben die Tübinger Wissenschaftler z.B. Erhebungen und Analysen des Informationsbedarfs relevanter Zielgruppen (z.B. Schulklassen, interessierte Laien, Fachexperten) zu verschiedenen Gelegenheiten (vor / während / nach dem Ausstellungsbesuch) vorgenommen.

Methodisch hat das Forscherteam eine Kombination von systematischen Beobachtungen, Interviews und Fragebögen zur Erhebung von Informationsbedürfnissen genutzt. So haben sie eine Besucherbefragung durchgeführt, an der 300 Besucherinnen und Besucher teilnahmen, die zu ihren individuellen Wünschen im Hinblick auf Thema, Zeitpunkt und Umfang der Zusatzinformationen zu den jeweiligen Exponaten befragt wurden. Darüber hinaus wurden die Befragten um die Selbsteinschätzung von Kunstinteresse und Kunstexpertise, die Auflistung ihrer fünf beliebtesten Exponate und etliches mehr gebeten.

Diese Analysen von Zielgruppen und Kontexten bildeten die Grundlage für die Erstellung eines Interessensprofils, das abbildet, welche Werke bei wem auf besonderes Interesse stießen und welche Erläuterungen zu den Werken gewünscht waren.

Emotionen & Epochen und Identitäten & Epochen 
Porträts erforschen mit dem digitalen Zeichenstift 

In einem weiteren interdisziplinären Kooperationsprojekt zwischen dem IWM und dem Herzog Anton Ulrich-Museum zum Thema „Digitale Selbstporträts zeichnen im Kunstmuseum“ wurden weitere kulturelle Bildungsangebote für die gymnasiale Oberstufe theoriebasiert entwickelt und experimentell untersucht. 

Emotionen & Epochen. Porträts erforschen mit dem digitalen Zeichenstift 

Im Kurs Emotionen & Epochen beschäftigten sich die SchülerInnen mit dem Ausdruck von menschlichen Emotionen im Gesicht. Gesichtsausdrücke gehören zu den wichtigsten nonverbalen Informationsquellen im Alltag. Menschen, die Gesichtsausdrücke anderer Personen schnell und sicher erkennen, sind empathischer und erfolgreicher in sozialen Interaktionen. Durch das Nachzeichnen emotionaler Gesichtsausdrücke in Kunstwerken und in eigenen Selfies wurde die Wahrnehmung und Interpretation von Emotionen geschult.

Identitäten & Epochen. Porträts erforschen mit dem digitalen Zeichenstift 

Im Identitätskurs beschäftigten sich die SchülerInnen mit unterschiedlichen Selbstaspekten. Dabei standen Fragen im Vordergrund wie: Wer bin ich? Welche Rollen nehme ich im Alltag ein und welche Eigenschaften zeige ich in diesen Rollen? Durch das zeichnerische Hineinversetzen in verschiedene Rollen und damit verbundene Eigenschaften wurde die Wahrnehmung und Interpretation von eigenen und fremden Selbstaspekten geschult.

Epochen

Kunstwerke werden seit Jahrhunderten in Epochen eingeteilt. Jede Kunstepoche hat typische Merkmale, Techniken und Themen. In beiden Kursen (Emotionen & Epochen sowie Identitäten & Epochen) lernten die SchülerInnen Porträts des Barock und Rokoko kennen. Durch das Nachzeichnen von Kunstwerken setzten sich die TeilnehmerInnen kreativ mit unterschiedlichen Epochen auseinander. Durch das Erstellen und Abzeichnen von Selfies mit passenden „historischen“ Accessoires ließen sie die Vergangenheit aufleben und entwickelten ein tieferes Verständnis für die jeweilige Epoche. 

Die Ziele der Kurse lagen in der Entwicklung zeichnerischer Fähigkeiten, in der Förderung der Wahrnehmung von Selbstaspekten sowie im Erwerb von Wissen über Kunstepochen. In Vor- und Nachtestungen wurde geprüft, ob sich ein rezeptiver und produktiver Umgang mit Kursinhalten nachweisbar auf Empathie und Selbstwahrnehmung von Jugendlichen auswirkt (Transfereffekte auf soziale Fertigkeiten).