Von Dexel bis Haubrich

Sammler und Sammlungen im Fokus der Provenienzforschung

Datum: 11. – 12. September 2018
Tagungsort: Herzog Anton Ulrich-Museum, Foyer des Apoll (rechter Museumseingang), Museumstr. 1, 38100 Braunschweig

Die Teilnahme an der Tagung ist kostenlos. Um Anmeldung wird bis zum 31.08.2018 gebeten: buchung@remove-this.3landesmuseen.de

Eine Zwischenbilanz der Provenienzforschung in Braunschweig
Eine gemeinsame Veranstaltung des Braunschweigischen Landesmuseums, des Herzog Anton Ulrich-Museums, des Städtischen Museums Braunschweig und des Netzwerks Provenienzforschung in Niedersachsen

Von Dexel bis Haubrich

Das Braunschweigische Landesmuseum, das Herzog Anton Ulrich-Museum und das Städtische Museum Braunschweig untersuchen seit 2016 ausgewählte Sammlungsbestände gemeinsam auf NS-verfolgungsbedingt entzogene Kulturgüter. Das Kooperationsprojekt „Sammlertum in Braunschweig: Provenienz und Raubkunst seit 1933“ wird vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert.

Gegenstand der systematischen Provenienzrecherchen sind heterogene Bestände, Konvolute und Einzelobjekte aus vielfältigen Sammlungen unterschiedlicher Sammler. Die Bandbreite reicht von Alltagsgegenständen, Münzen und Büchern über Handzeichnungen und Graphiken bis zu Gemälden oder von der „Universalsammlung“ des Direktors am Vaterländischen Museum Braunschweig (heute: Braunschweigisches Landesmuseum), Karl Steinacker, bis zur „Spezialsammlung“ formgebenden Gebrauchsgeräts des Konstruktivisten und Werbegraphikers Walter Dexel. In die Untersuchung einbezogen sind ferner Objekte aus der ehemaligen Sammlung der Moderne der Braunschweiger Gesellschaft der Freunde Junger Kunst, aus der Handzeichnungssammlung des Herforder Arztes Max Graff oder der expressionistischen Sammlung des Kölner Juristen Josef Haubrich. Zu den weiteren Sammlern oder Sammlerinnen, die direkt oder indirekt in den Fokus der Provenienzforschung gerückt sind, gehören die von Braunschweig nach Hollywood ausgewanderte „Prophetess of ‚The Blue Four‘“, Galka Scheyer, oder der Braunschweiger Kunstfreund Otto Ralfs, dessen Klee- und Kandinsky-Sammlungen vor 1945 zu den größten der Welt zählten.

Ausgehend vom Braunschweiger Projekt richtet die Tagung den Blick auf Projekte und Recherchen von überregionalem Interesse, die von vergleichbaren oder ähnlichen Fragestellungen ausgehen. Dazu gehören die Erschließung und Erfassung der Sammlung von Josef Haubrich in Köln, die Rekonstruktion der ehemaligen Göttinger Sammlung von Max Hahn, Provenienzrecherchen zur Sammlung der ehemaligen Antiquitätenhandlung Huelsmann in Hamburg/Bielefeld oder die Spuren, die sich anhand von Exlibris-Sammlungen zu ehemaligen Eigentümern oder Sammlungen aufzeigen lassen.

Die Verwicklungen in das am NS-Kulturgutraub beteiligte Netzwerk der Dienststelle Mühlmann Den Haag/ Wien des Münchner Kunstversteigerungshauses Adolf Weinmüller und dort getätigte Ankäufe betreffen ebenfalls nicht nur die Provenienzforschung in Braunschweig. Auf die vielfältigen Synergien zwischen der Provenienzforschung und anderen Bereichen der Kunstgeschichte und Geschichte der NS-Verfolgung verweisen zwei Kurzbeiträge zur Vereinigung junger Kunst in Oldenburg und zum NS-verfolgungsbedingten Entzug von Immobilien der jüdischen Familie Frank/Forstenzer in Braunschweig.

Viele Museen in Niedersachsen stehen vor ähnlichen Herausforderungen wie die drei am Braunschweiger Kooperationsprojekt beteiligten Einrichtungen. Vor diesem Hintergrund hat das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur 2015 ein Netzwerk ins Leben gerufen, das die Kräfte und Kompetenzen im Bereich der Provenienzforschung auf Landesebene bündelt und effektiv mit den nationalen Initiativen des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste verzahnt.

Zu den Mitgliedern zählen Museen und Universitäten, der Museumsverband Niedersachsen und Bremen e.V. sowie Partner aus Bibliotheken, Archiven und regionalen Verbänden. Die wesentlichen Inhalte der Netzwerkarbeit sind die Beratung von Museen im Bereich der Provenienzforschung, Initiativen für Forschungs- und Verbundprojekte, Öffentlichkeitsarbeit sowie die Organisation von Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen. Die gemeinsame Veranstaltung des Braunschweigischen Landesmuseums, des Herzog Anton Ulrich-Museums, des Städtischen Museums Braunschweig und des Netzwerks Provenienzforschung in Niedersachsen findet im Foyer des Apoll im Herzog Anton Ulrich-Museum statt. 

Programm

Dienstag, 11.09.2018
19.00 Uhr
Öffentlicher Abendvortrag mit anschließendem Imbiss
Begrüßung:
Prof. Dr. Jochen Luckhardt, Herzog Anton Ulrich-Museum
Prof. Dr. Christoph Zuschlag, Alfried Krupp von Bohlen und
Halbach-Professur für Kunstgeschichte der Moderne und der Gegenwart (19.-21.Jh.) mit Schwerpunkt Provenienzforschung/Geschichte des Sammelns, Kunsthistorisches Institut der Universität Bonn

Provenance Turn? Mutmaßungen über die Zukunft der Provenienzforschung und die Rolle der Universitäten

Mittwoch, 12.09.2018
8.30 Uhr
Einlass/Registrierung

9.30 Uhr
Begrüßung und Einführung
Staatssekretärin Dr. Sabine Johannsen, Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur
Dr. Anja Hesse, Kulturdezernentin der Stadt Braunschweig
Dr. Uwe Hartmann, Fachbereichsleiter Provenienzforschung, Deutsches Zentrum Kulturgutverluste
Dr. Heike Pöppelmann, Braunschweigisches Landesmuseum
Dr. Peter Joch, Städtisches Museum Braunschweig

10.00 Uhr
Dr. Hansjörg Pötzsch, Braunschweigisches Landesmuseum, Herzog Anton Ulrich-Museum und Städtisches Museum Braunschweig

Von Sammlern und Sammlungen: Zur Einführung und zum aktuellen Stand des Projekts „Sammlertum in Braunschweig“

10.45 – 11.15 Uhr
Kaffeepause

11.15 Uhr
Dr. Meike Hopp, Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München

Von „Louise“: Das komplexe System von Adolf Weinmüller, Kajetan Mühlmann, Franz Kieslinger und Benno Geiger

12.00 Uhr
Dr. Britta Olenyi von Husen/ Dr. Marcus Leifeld, Referat für Museumsangelegenheiten der Stadt Köln

Der Sammler Josef Haubrich als zentrale Figur der Kunstpolitik in Köln

12.45 – 13.45 Uhr
Mittagspause
Gelegenheit zur Teilnahme an einer Kurzführung durch die aktuelle Sonderausstellung Sammlung Reydan Weiss. „Ohne Etikett fühle ich mich freier...“ (Dr. Sven Nommensen, Herzog Anton Ulrich-Museum)

13.45 Uhr
Dr. Brigitte Reuter, Museum Huelsmann Bielefeld

Die Sammlung des Kunsthändlers. Das Vermächtnis F.K.A. Huelsmann in Bielefeld.

14.30 Uhr
Sebastian Finsterwalder, Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Allen Gewalten zum Trotz sich erhalten - Die Exlibris-Sammlung der Berliner Stadtbibliothek

15.15 – 15.45 Uhr
Kaffeepause

15.45 Uhr
Dr. Christian Riemenschneider, Göttingen/Hahn Project, University of British Columbia

Der Göttinger Sammler Max Hahn - Verbleibforschung und Rekonstruktion seiner Judaica-Sammlung

16.30
Aktuelles aus dem Netzwerk Provenienzforschung in Niedersachsen – Werkstattberichte, Impulse und Ankündigungen, u.a.:
Frank Ehrhardt, Gedenkstätte Schillstraße/AK Andere
Geschichte e.V., Braunschweig

Die Enteignung der Kaufhausbesitzer Frank und Forstenzer als Beispiele für die „Arisierung“ in Braunschweig

Gloria Köpnick, Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg

Die Untersuchung der Vereinigung für junge Kunst Oldenburg – ein Beitrag zur Provenienzforschung?

ca. 17.00 Uhr
Abschlussdiskussion
Moderation:
Dr. Claudia Andratschke, Landesmuseum Hannover/Netzwerk
Provenienzforschung in Niedersachsen