Kleopatras unbekannte Seite

Im Mai 2013 wurde in der Restaurierungswerkstatt des Herzog Anton Ulrich-Museums gesägt und gehobelt. Rosso Fiorentinos "Sterbende Kleopatra" ließ im wahrsten Sinne des Wortes Späne fallen– und das nicht zu knapp! Grund dafür waren notwendige Restaurierungsarbeiten an der Rückseite der Tafel.

Zur Konservierungsmaßnahme des Gemäldes „Sterbende Kleopatra“ (um 1530) von Rosso Fiorentino ist eine Filmdokumentation auf Youtube verfügbar.

Ein Meisterwerk zeigt Rückgrat

Eine Leihanfrage aus dem Palazzo Strozzi in Florenz gab den Stein des Anstoßes für das spektakuläre Konservierungsprojekt im Herzog Anton Ulrich-Museum.
Die „Sterbende Kleoptara“ (um 1530) sollte im Rahmen der großen Ausstellung  „Pontormo e Rosso. Le divergenti vie della maniera“ im Palazzo Strozzi ab März 2014 als eines der wenigen erhaltenen Tafelgemälde des florentinischen Künstlers Rosso Fiorentino (1494-1540) in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt werden.
Eine im späten 19. Jahrhundert weit verbreitete Konservierungsmaßnahme gefährdete jedoch den Erhaltungszustand des Gemäldes, so dass das Objekt in dem Zustand nicht als Leihgabe nach Italien reisen konnte. Die eigentlich zum Schutz der Kunstwerke angewandte Methode hatte sich inzwischen als hoch problematisch erwiesen. Das starre Holzkorsett, die sogenannte „Parkettierung“, ist ein Lattengerüst, das auf die Rückseite der gedünnten Holztafel geleimt wurde. Die Tafel arbeitete gegen das einengende Gerüst an, was zur Folge hatte, dass Risse den Bildträger gefährdeten. Kaum ein Restaurator wagte sich an dieses Problem heran.

Dem  Herzog Anton Ulrich-Museum bot sich die einmalige Gelegenheit, den italienischen Restaurator Ciro Castelli mit der "Befreiung" der Kleopatra zu beauftragen. Der pensionierte Florentiner, der bis vor kurzem noch im Opificio delle Pietre Dure  angestellt war, gilt als absoluter Spezialist für diese Fälle und gibt seine einzigartigen Kenntnisse im Rahmen des „Panel Painting Conservation Program“  vom Getty Research Institute in Los Angeles an jüngere Kollegen weiter. Castellis Arbeitsweise wurde in Deutschland bisher kaum angewendet. 

Castelli befreite in einer mehrtägigen Prozedur zunächst das Gemälde vom einengenden Holz-Korsett. Dies geschah unter höchster Vorsicht, da die originale Tafel bei diesem Vorgang nicht verletzt werden durfte.
Im späteren Verlauf wurde ein neuer Stützrahmen gefertigt und an der Rückseite montiert. Der Clou hierbei: Er ist durch gefederte und um die eigene Achse bewegliche Schrauben flexibel. Das erlaubt dem Holz zu arbeiten und sich immer wieder leicht zu verformen. Das neue Rückgrat ist somit die perfekte Lösung, um die jahrhundertalte Pappelholz-Tafel zu stützen und ihr gleichzeitig die nötige Flexibilität zu bieten.

Die Dokumentation auf YouTube

Sie finden die ca. 14-minütige Dokumentation auf YouTube:

https://www.youtube.com/watch?v=vJGAUygXIzk