Marke und Mythos – Braunschweiger Schule

19. März 19:00  - 20:00 Uhr

Referent: PD Dr. Olaf Gisbertz, M. A., Prof.i.V. Fachhochschule Dortmund

Ohne Anmeldung. Eintritt frei.

Ort: Braunschweigisches Landesmuseum, Burgplatz 1, 38100 Braunschweig

Im universitären Wettstreit der Architektenausbildung vermochte es der Braunschweiger Architekt Friedrich Wilhelm Kraemer in den Sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts an der TH Braunschweig, aus einer vor 1945 eher nachrangigen Ausbildungsstätte eine international geschätzte Architekturfakultät zu kreieren – die „Braunschweiger Schule“. Dieser Begriff beschreibt jedoch keineswegs einen architektonischen Stil, sondern kennzeichnet vielmehr eine künstlerische und intellektuelle Offenheit, die in Braunschweig verschiedene Architekten, Städtebauer und Kulturschaffende zusammen¬führte. Kraemers Vorlesungen an der Braunschweiger Hochschule, die seine Affinität zu Literatur, bildender Kunst und Musik offenbarten, setzten zu ihrer Zeit wichtige Signale für die Lehre an der Fakultät und das Selbstverständnis der Braunschweiger Schule. Die Wirkung war enorm, avancierte der Begriff doch über Generationen vom griffigen Slogan zur werbewirksamen Marke einer bedeutsamen Architekturschule in der frühen Bundesrepublik. Noch heute wirbt die Architekturfakultät und der Alumniclub an der TU Braunschweig mit dem Begriff der „Braunschweiger Schule“ um die Gunst von Studienanfängern und Absolventen gleichermaßen. 

Gleichwohl bestehen viele Spekulationen darüber, wie es überhaupt zur Entstehung des Begriffs kam und was darunter zu verstehen ist. Grund genug, die Rezeptionsgeschichte um den Begriff der Braunschweiger Schule in den Mittelpunkt des Abendvortrags zu stellen – von den Anfängen mit Friedrich Wilhelm Kraemer und seinem Lehrstuhlnachfolger Meinhard von Gerkan bis zur Gegenwart. Dabei sollen die wechselseitigen Wirkungen der Rezeption von innen und außen auf die Braunschweiger Schule dargelegt werden, schließlich eignete sich die Begriffsbildung auch zur Abgrenzung gegenüber den damals konkurrierenden Hochschulen in Stuttgart, Karlsruhe, Darmstadt, Aachen oder München. In Anbetracht diverser Exzellenzinitiativen erscheint der Blick lohnend, inwieweit der Begriff „Braunschweiger Schule“ noch heute zum Gradmesser für Qualität in Architektur und Städtebau aus Braunschweig gereicht. 

Institut für Statik und Stahlbau, © TU Braunschweig