Widerschein der Zentren, Selbstbewusstsein der Provinz? Versuch, ein Bezugsnetz um die norddeutsche Moderne zu spinnen

15. Januar 19:00  - 20:00 Uhr

Referent: Nikolaus Bernau, Architekturkritiker und Journalist, Berlin

Ohne Anmeldung. Eintritt frei.

Veranstaltungsort: Braunschweigisches Landesmuseum, Burgplatz 1, 38100 Braunschweig

Die Nachkriegs-Moderne Architektur ist längst zum Teil der Architekturgeschichte geworden. Drei, vier Generationen haben in ihnen gelebt und Identitäten entwickelt. Zwar wird bis heute behauptet, dass diese Architektur von weiten Kreisen der Bevölkerung abgelehnt werde: „Die“ Moderne versus „das“ Alte. Übersehen wird dabei nicht nur die Vielfalt „der Modernen“, sondern auch, dass trotz aller Altstadtnachbauten und neuen Schlossfassaden eher eine Renaissance der kühlen Formen, des Rationalismus, des stringenten Materialbewusstseins der Zweiten Nachkriegsmoderne zu registrieren ist. Sie erinnert an die Resozialisierung der Deutschen nach der Katastrophe der Nazizeit, war dezidiert international ausgerichtet, gegen die Idee einer Sonderrolle Deutschlands gerichtet.

Es ging wie im ganzen Europa, in Nordamerika, aber auch in Brasilien und Japan darum, „ehrlich“, „emotional“, „klar“ zu bauen. Nur mit Blick auf diese internationale Einbindung, auf die Idee der „Schönheit für Alle“ (Ellen Kay), der Sehnsucht nach einer egalitären Bildungs- und Gesellschaftsreform ist das Besondere auch der braunschweigischen Architektur jener Zeit zu verstehen. 

Nikolaus Bernau wurde in Bonn / Rhein geboren und lebt in Berlin und Rostock. Seine Familie stammt aus Braunschweig. Er ist ausgebildeter Kunsthistoriker, diplomierter Architekt, arbeitet wissenschaftlich als Architektur-, Museums- und Bibliothekshistoriker mit umfangreicher Publikation. Bernau ist Journalist und Publizist unter anderem für die Berliner Zeitung, Deutschlandfunk Kultur, die Zeit etc. und erhielt diverse Auszeichnungen, unter anderem die Silberne Halbkugel des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz und den Helmut-Sontag-Preis des Deutschen Bibliotheksverbands. 

Foto: Heinrich Heidersberger, #4005_3 Hauptbahnhof Braunschweig, 1960, Institut Heidersberger, www.heidersberger.de