Das Braunschweigische Landesmuseum verfügt über umfangreiche ur- und frühgeschichtliche Sammlungsbestände. Das Fundmaterial aus den seit der Jungsteinzeit bevorzugt aufgesiedelten ertragreichen Lößböden nimmt einen besonderen Raum ein. Durch die Nutzung von obertägigen Salzvorkommen und wahrscheinlich auch der Metalllagerstätten im Harz erlangte diese Region in der Bronzezeit eine besondere wirtschaftliche Bedeutung, die zur Herausbildung komplexer Gesellschaften und neuer Siedlungsformen führte.

Die Ergebnisse des Forschungsprojektes fließen in eine große Sonderausstellung „Troia des Nordens. Die Hünenburg bei Watenstedt“ ein und ermöglichen Einblicke in die Lebenswelten der bronzezeitlichen Menschen in Mitteleuropa und deren Beziehungen untereinander. Die Ausstellung wird voraussichtlich im Jahr 2020 präsentiert.

Förderer

Vernetzte Lebenswelten. Untersuchungen zur Bevölkerungszusammensetzung an bronzezeitlichen Herrschaftssitzen

Dem Kooperationspartner des Braunschweigischen Landesmuseums, dem Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Georg-August-Universität Göttingen, gelang es in den letzten Jahren, erstmalig in Mitteleuropa bei Watenstedt, Kr. Helmstedt, einen Herrschaftssitz der Zeit um 1000 v. Chr. mit einer Befestigung und zeitgleichen Unterstadt von über 27 ha Ausdehnung zu untersuchen. Dort zeichnen sich protourbane Strukturen ab: Funde und Befunde weisen auf eine weiträumig vernetzte Bevölkerung hin.

Gefördert wird das Forschungsprojekt im Rahmen der Förderinitiative „Forschung in Museen“ der Volkswagen Stiftung und ist insgesamt auf drei Jahre ausgelegt. Es steht unter der Leitung von Prof. Dr. Karl-Heinz Willroth, Dr. Immo Heske (Universität Göttingen) und Dr. Heike Pöppelmann (BLM) und wird von Robert Hintz und Sergej Most jeweils im Rahmen einer Dissertation bearbeitet. 

Im Kooperationsprojekt soll unter Einbindung naturwissenschaftlicher Methoden die Mobilität der Bevölkerung sowie von Pferden als Transporttier und Herrschaftsgeschenk herausgearbeitet werden. Durch die Analyse von Keramik, von menschlichen Skeletten aus Sonderbestattungen und von Pferdezähnen werden erstmals differenzierte Aufschlüsse zu Kommunikation und Austausch, zur regionalen und überregionalen Vernetzung, zu Kommunikationstrassen und zur Zusammensetzung der Bevölkerung an einem herausragenden bronzezeitlichen Zentralort erwartet, die zudem Rückschlüsse auf den Umgang bronzezeitlicher Gesellschaften mit Fremden und Fremdem ermöglichen.

Verschiedene Grabungen aus den Beständen des Magazins werden angeschaut und erstmalig ausgewertet. Erstes Ziel wird die wissenschaftliche Aufarbeitung der jungbronzezeitlichen Siedlung von Runstedt, Kr. Helmstedt sein. Diese abgetragene Fundstelle war durch den Schaufelbagger des Braunkohletagebaues in den 1960er Jahren akut bedroht. Die Stellung der Siedlung im spätbronzezeitlichen Kulturgefüge der Hünenburg wird bewertet. Außerdem wird untersucht, welche Rolle diese vermeintlich kleinere Siedlung im spätbronzezeitlichen Handelsnetz und im Landesausbau inne hatte und wie diese am Güteraustausch und dem Warenfluss beteiligt war. Das sehr wahrscheinlich in Runstedt verarbeitete Salz, nachgewiesen durch Briquetage-Funde (Objekte aus Ton, die zur Salzgewinnung verwendet wurden), könnte u.a. als Substrat für die Herausbildung und Etablierung von Austausch und Handel gedient haben. Das mündete in der Entstehung der Unterstadt von der Hünenburg bei Watenstedt, Kr. Helmstedt. Damit wird eine Neubewertung und -betrachtung der (jung)bronzezeitlichen Besiedlung im Braunschweiger Land vorgenommen, unter Berücksichtigung der umliegenden peripheren Siedlungen, wie Runstedt und Esbeck-Kakelsberg, um die große Unterstadt der Hünenburg herum.

In folgenden Bearbeitungsschritten schließen sich weitere zu bearbeitete Fundplätze an, die sich nicht nur auf den Raum des Braunschweiger Landes beschränken, wie z.B. Magdeburg und Seddin, Kr. Prignitz, sondern bei denen der Blick auch überregional geworfen wird.