Das Herzog Anton Ulrich-Museum beherbergt umfangreiche Sammlungen von Bronze-, Elfenbein-, Holz- und Steinskulpturen; dazu kommt ein Bestand an überwiegend im 19. Jahrhundert erworbenen Gipsabgüssen.

Diana mit zwei Windspielen, Leonard Kern, um 1625, Elfenbein, H: 22,5 cm, B: 9.9 cm, Inv. Elf 49
Diana mit zwei Windspielen, Leonard Kern, um 1625, Elfenbein, H: 22,5 cm, B: 9.9 cm, Inv. Elf 49

Die Elfenbeinsammlung

Die Elfenbeinsammlung (annähernd 700 Werke) enthält zahlreiche hochrangige Einzelstücke, wie die Kunstwerke von Balthasar Permoser und Leonard Kern, die sich wahrscheinlich unmittelbar mit dem Begründer der Sammlungen, Herzog Anton Ulrich (1633-1714), verbinden lassen. Die eigentliche Strukturierung und den Ausbau verdankt sie dem Sohn und Nachfolger Anton Ulrichs, Herzog August Wilhelm (1662-1731). Diesen von ihm geprägten hochbarocken Charakter mit dem Schwerpunkt auf Statuetten und Reliefs, auch in Form von Humpen, bewahrt die Sammlung noch heute. Der Bestand wurde etwas geschmälert durch die napoleonische Zeit (mit dem schmerzlichen Verlust von zwei Jahreszeitenfiguren von Permoser) und den Zweiten Weltkrieg, konnte aber in der Nachkriegszeit sinnvoll ergänzt werden: 1965 und 1969 durch zwei große Zepter (sog. Narrenzepter und sog. Hochzeitszepter Anton Ulrichs und Elisabeth Julianes), 1988 durch fünf Musikanten von Simon Troger und 1997 durch eine Klappsonnenuhr von Hans Daucher.

Stier, Augsburg, um 1570, Bronze, H: 21,5 cm, Inv. Bro 226
Stier, Augsburg, um 1570, Bronze, H: 21,5 cm, Inv. Bro 226

Die Bronzesammlung

Die Bronzesammlung (etwa 320 Einzelstücke) beinhaltet überwiegend barocke Kunstwerke, aber auch einige wenige Bronzen der Renaissance. Als herausragend sind der "Sitzende Mann" (Florenz, Mitte 16. Jahrhundert), eine umfangreiche Gruppe von Tierbronzen für einen Brunnen (Augsburg, um 1580), und, nach dem Zweiten Weltkrieg verschollen, aber 2006 zurückgekehrt, die prachtvolle signierte Reiterfigur "Herzog Heinrich Julius auf steigendem Pferd" von Adriaen de Vries (um 1605) zu nennen. Es scheint Anton Ulrich gewesen zu sein, der die Sammlung ausbaute und mit zahlreichen Bronzen nach der Antike und nach bedeutenden Werken der Renaissance (z.B. von Giambologna) bereicherte. Auch im 18. Jahrhundert kommen Werke dazu, wie von Georg Raphael Donner. Der Charakter der Sammlung ist ebenfalls hochbarock, mit zahlreichen mythologischen und relativ wenig biblischen Darstellungen. So reiht sich die Braunschweiger Bronzesammlung, zusammengetragen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, in die großen fürstlichen Sammlungen in Europa ein.

Balthasar Permoser (1651 - 1732) Bildnis Herzog Anton Ulrichs, Alabaster, H: 76 cm, Inv. Ste 5
Bildnis Herzog Anton Ulrichs, Balthasar Permoser (1651 - 1732), Alabaster, H: 76 cm, Inv. Ste 5

Die Holz- und Steinskulpturen

Die zahlenmäßig kleineren Bereiche der Holz- und Steinskulptur umfassen hochrangige Werke, wie etwa ein Prunklavabo aus Marmor und bedeutende Skulpturen von Leonard Kern (Klagende Eva) und Balthasar Permoser (zwei Bildnisbüsten Anton Ulrichs).