Das Neueste von den Sachsen

Die landesgeschichtlich ausgerichtete "Sachsenforschung", die in Niedersachsen in den 1950er Jahren von Dr. Albert Genrich initiiert wurde, ist seit 2017 am Braunschweigischen Landesmuseum verortet.

Ansprechpartnerin:

Dr. Babette Ludowici
BLM Archäologie
Kanzleistr. 3
38300 Wolfenbüttel

E-mail: b.ludowici(at)3landesmuseen.de

„Sachsenforschung“ am Braunschweigischen Landesmuseum: Archäologische Landesgeschichtsforschung zum 1. Jahrtausend

Die Schriftquellen des 1. Jahrtausends überliefern eine große Vielfalt von Gruppen, die als „Sachsen“ bezeichnet werden. Träger des Sachsennamens haben das historische Geschehen in Europa entscheidend mitgeprägt. Hierzu gehört auch die frühmittelalterliche Einwohnerschaft heute niedersächsischer Gebiete, die Karl der Große am Ende des 8. Jahrhunderts seiner Herrschaft unterworfen hat. Was wir heute über die Lebenswirklichkeit dieser Menschen, ihre Herkunft und ihre Geschichte im 1. Jahrtausend wissen, beruht im Wesentlichen auf der wissenschaftlichen Erschließung der archäologischen Überlieferung dieser Epoche. Sie zielt auch darauf, zu verstehen, wie sich die wirkmächtige kontinental-sächsische Identität des frühen Mittelalters vor dem Hintergrund der Eingliederung des Raumes zwischen Rhein und Elbe in das fränkische Reich ausgebildet hat.

Initiator der landesgeschichtlich ausgerichteten »Sachsenforschung« in Niedersachsen war Dr. Albert Genrich. Er war von 1954 bis 1977 am Niedersächsischen Landesmuseum Hannover tätig (NLMH). Von Beginn an und bis heute aufs engste mit der „Sachsenforschung“ verknüpft ist das 1949 von Karl Waller ins Leben gerufene Internationale Sachsensymposion, zu dessen Gründungsmitgliedern Albert Genrich gehörte. Als »Arbeitsgemeinschaft zur Archäologie der Sachsen und ihre Nachbarvölker in Nordwesteuropa (IVoE)« mit heutigem Sitz in Belgien ist dieses Symposion eines der international maßgeblichen wissenschaftlichen Foren für die Archäologie der frühen Geschichte Nordwesteuropas. Aktuell gehören dem Verband über 160 zugewählte Archäologen und Historiker aus Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Norwegen, Polen, Schweden und den USA an. Von 1977 bis 2004 wurde die „Sachsenforschung“ von Dr. Hans-Jürgen Häßler am NLMH fortgeführt. Seine Studie zu frühgeschichtlichen Bestattungsplätzen und Grabfunden in Niedersachsen haben der Forschung zum 1. Jahrtausend in Nordwesteuropa wesentliche Impulse verliehen. Mit der Reihe »Studien zur Sachsenforschung« etablierte Häßler (1996 bis 2002 Vorsitzender des »Internationalen Sachsensymposions«) ein international anerkanntes Fachorgan zur Frühgeschichtsforschung.

Seit 2005 wird die „Sachsenforschung“ von Dr. Babette Ludowici weitergeführt, zunächst am NLMH, seit 2017 am Braunschweigischen Landesmuseum. Babette Ludowici gehört zu den Wegbereitern einer modernen Betrachtungsweise archäologischer Quellen zur Genese der kontinental-sächsischen Identität. Im Rahmen einer umfassenden Studie zum Bestattungsbrauchtum des 1. Jahrtausends im Braunschweiger Land konnte sie aufzeigen, dass die traditionelle Erzählung von einer sächsischen Landnahme am Harz in der sogenannten „Völkerwanderungszeit“ archäologisch nicht begründbar ist.
Die „Sachsenforschung“ am BLM erfolgt in enger Vernetzung und im ständigen Austausch mit Wissenschaftlern an skandinavischen, britischen, niederländischen, belgischen und polnischen Museen und Universitäten. Babette Ludowici ist Mitglied der Geschäftsführung des „Internationalen Sachsensymposions“ (Vorsitz seit 2002: Prof. Dr. Claus von Carnap-Bornheim) und seit 2010 Herausgeberin der „Neuen Studien zur Sachsenforschung“.


Aktuelle Projekte


Alte Sachsen – neue Fakten!

Im Focus steht derzeit die Erarbeitung und Realisierung einer großen gemeinsamen Ausstellung des BLM und des NLMH zu den Erträgen von 70 Jahren „Sachsenforschung“ in Niedersachsen im Jahr 2019. Die Ausstellung „Saxones – Eine neue Geschichte für Niedersachsen“ steht unter der Schirmherrschaft des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stefan Weil und trägt den Titel einer Landesausstellung.

Der Hellweg in Ostfalen: Ein Korridor der Macht
In Planung ist derzeit ein Forschungsvorhaben zur Genese und Struktur der östlichen Hellwegzone als dominierender frühgeschichtlicher Verkehrs- und Wirtschaftsraum und überregionaler Kommunikationskorridor


Publikationen

2017 erfolgte die Vorlage von Band 6 der „Neuen Studien zur Sachsenforschung“; Kooperationspartner ist die Universität Durham (GB). Der Band legt 36 Beiträge von Archäologen, Historikern und Sprachwissenschaftlern zum 63. „Internationalen Sachsensymposion“ vor. Das Symposion unter dem Titel „Life on the Edge: Social, Political and Religious Frontiers in Early Medieval Europe“ wurde 2012 von der Universität Durham (GB) ausgerichtet. Die in englischer Sprache verfassten Abhandlungen betrachten Phänomene sozialer, religiöser und politischer Differenzierung und Grenzziehung im 1. Jahrtausend. In geographischer Hinsicht sind archäologische Befunde, Funde und Überlieferungen aus Großbritannien,  Deutschland, den Niederlanden, Dänemark, Schweden, Norwegen und Polen Gegenstand der Erörterungen.
Inhaltsverzeichnis zum Download

2018 erfolgt die Vorlage der Bände 7 und 8 der „Neuen Studien zur Sachsenforschung“; Kooperationspartner sind die Universitäten Leipzig und Warschau. Die Bände der Reihe „Neue Studien zur Sachsenforschung“ sind über das BLM zu beziehen.
Kontakt: b.ludowici(at)3landesmuseen.de