Aufregende Dino-Bergung

Das Braunschweiger Team hatte bereits 2007 ein Dinosaurierskelett in Niger geborgen und ein zweites geortet. Die Bergung dieses zweiten Dinosauriers wurde für Frühjahr 2008 geplant.

Nachdem das Team des Naturhistorischen Museums Braunschweig bereits 2007 ein Dinosaurierskelett in Niger geborgen und ein zweites geortet hatte, wurde die Bergung dieses zweiten Dinosauriers für Frühjahr 2008 geplant.

 

Das unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Christian Wulff stehende und von der Volkswagenbank finanziert Projekt ist erst die zweite deutsche Dinosauriergrabung in Afrika, nach der Tendaguru-Expedition in den Jahren 1909 bis 1912.

 

 

Expedition unter gemischen Vorzeichen

 

Seit der Expedition von 2007 hatte sich die Sicherheitslage im Norden der Republik Niger dramatisch verschlechtert. Eine Gruppe von Aufständischen aus dem Stamm der Tuareg lieferte sich Scharmützel mit der Armee und verübte Anschläge. An einigen Überlandstraßen explodierten Minen; im Januar wurde der Präfekt der Stadt Tanout von den Aufständischen entführt. Die Regierung verhängte den Ausnahmezustand.


In dieser Situation war es bis zuletzt fraglich, ob die Grabung 2008 stattfinden konnte. Daher fand – auch auf Wunsch unseres Sponsors, der Volkswagenbank – Ende Januar eine Vorexpedition unter der Leitung des Tuareg-Experten Edgar Sommer statt. Unsere Partner von der Universität Niamey sowie das Oberhaupt der örtlichen Tuareg, Mohammed Echika, rieten uns zu: „Kommen Sie schnell, mit möglichst wenig Europäern, und arbeiten Sie unauffällig“.

Am 10.2.08 flogen wir – Prof. Ulrich Joger, Dr. Ralf Kosma und Michel Rabe – nach Niamey, um wenige Tage später mit den Teilnehmern der Vorexpedition – Dr. Alexander Mudroch, Achim Ritter und Edgar Sommer – zu vereinigen. Die Fahrt nach Agadez erfolgte in zwei Geländewagen und verlief ohne besondere Vorkommnisse; lediglich die letzten 300 km mussten wir uns einem Militärkonvoi anschließen. In Agadez trafen wir unser einheimisches Ausgrabungsteam, das durch drei Mitarbeiter der Universität Niamey verstärkt wurde. Mit den Tuareg-Helfern waren wir schließlich 24 Personen.

 

Bedeutende Funde


Nachdem Mohammed Echika eine Sondergenehmigung des Gouverneurs besorgt hatte, fuhren wir zur Ausgrabungsstelle bei Tadiben, etwa 90 km südlich von Agadez, am Fuße der Geländestufe „Falaise de Tiguidit“. Hier fanden wir das zentrale Stück einer Lendenwirbelsäule, das wir im Vorjahr wegen des enormen Gewichts noch nicht geborgen hatten, unversehrt vor. In den nächsten Tagen legten wir dort sämtliche Beckenknochen, mehrere Wirbel, Rippen und die komplette Schwanzwirbelsäule eines großen Sauropoden (33 Wirbel, zusammen 5,70 m lang) frei. Höchstwahrscheinlich handelt es sich dabei um Jobaria tiguidensis, einen langhalsigen Pflanzenfresser von 21-22m Gesamtlänge aus der unteren Kreidezeit (vor ca. 130 Millionen Jahren). Dies wurde durch Zahnfunde in der Umgebung bestätigt. Etwas weiter entfernt zeigte uns Mohammed Echika noch die Lage eines Hinterbeines von Jobaria. Wir bargen Schienbein, Wadenbein und den 1,75m langen Oberschenkelknochen.

Alle Knochen waren gut erhalten. Sie wurden mit einem Gipsmantel versehen und in zwei Fahrzeuge verladen. Das Gesamtgewicht der Knochen schätzen wir auf 3-4 Tonnen.

Von besonderer wissenschaftlicher Bedeutung ist die Fundstelle einer neuen Sauropodenart, die wir in den Vorjahren an einer anderen Stelle entdeckt hatten. Dort hatten wir auch versteinerte Fährten von Raptoren (kleinen Raubsauriern) gefunden – ein Erstnachweis für Afrika. 2008 haben wir diese Fundstelle ebenfalls besucht und die sehr gut erhaltenen Fährten genau vermessen sowie Silikonabdrücke genommen. Neu war in diesem Jahr die Entdeckung von Sauropoden-Fußabdrücken im selben Horizont. Sie passen in der Größe zu der neuen Sauropodenart und schaffen damit eine Beziehung zwischen den Fährten und den Skelettfunden. Auch von der neuen Sauropodenart brachten wir 2008 noch neue Knochenfragmente mit.

Zurück nach Braunschweig

 

Nachdem während unserer Grabung unser Autovermieter an der Straße Agadez-Tahoua überfallen worden war und die Regierung alle weiteren Grabungen im Norden des Landes untersagt hatte, erfolgte die Rückfahrt mit gemischten Gefühlen. Doch wir erreichten Niamey ohne Zwischenfälle. Während die eine Hälfte des Teams am 10. März wieder in Braunschweig antraf, begleitet die andere Hälfte unsere Fahrzeuge mit der wertvollen Fracht nach Cotonou im Nachbarland Benin. Von dort werden Fahrzeuge und Knochen voraussichtlich am 22. März nach Hamburg eingeschifft. Mitte April werden sie in Braunschweig erwartet.

Prof. Dr. Ulrich Joger
Museumsdirektor