Rund 320 Gemälde haben nach der Sanierung in der neuen Gemäldegalerie einen Platz gefunden, ca. 10 % mehr als zuvor. Die Gemäldegalerie erstreckt sich über das gesamte 1. Obergeschoss des Museums.

Die neue Gemäldegalerie des Herzog Anton Ulrich-Museums

Wie im gesamten Museum hat sich die räumliche Situation auch in der Gemäldegalerie durch den Rückbau erheblich verbessert. Die frühere besucherunfreundliche Sackgassen-Situation, die durch die Abtrennung von Räumen und den Einbau von Zwischenwänden entstanden war, wurde durch die Sanierung behoben. Rund 150 m² Fläche in Form von drei neuen Ausstellungsräumen wurden hinzugewonnen, die Gemäldegalerie kann nun mehr nicht nur durch einen zentralen Haupteingang, sondern auch durch zwei Seiteneingänge betreten werden.

Noch unmittelbarer erfahrbar sind die atmosphärischen Veränderungen. Eine auf die Werke des Museums hin maßgeschneiderte Wandbespannung in hellen Blau-, Rot- und Grüntönen hebt die Kunst sanft hervor und unterstützt gleichzeitig das offene Raumgefühl der großzügigen Architektur. Erstmals erhält die Galerie zeitgemäße Akzentstrahler, mit denen jedes Kunstwerk einzeln beleuchtet und brillant in Szene gesetzt werden kann.

Die inhaltliche Konzeption wurde ebenfalls grundlegend überarbeitet. In der neuen Gemäldegalerie werden 315 Werke präsentiert, 10 % mehr als zuvor. Rund 70 der 315 Gemälde sind neu in der Präsentation, waren zum Teil seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr öffentlich ausgestellt. Einige Werke wanderten dafür ins Depot. Die neue Hängung orientiert sich stärker an den veränderten Sehgewohnheiten und Vorlieben der heutigen Besucher_innen. Wo früher oft die kunsthistorische Bedeutung die einzige Richtschnur bildete, liegt heute der Fokus darauf, das ganze Spektrum der Sammlung möglichst breit zu zeigen. Eine größere Auswahl der beim Publikum besonders beliebten Motive, wie Stillleben, Landschaft, Tierstück oder attraktive Damenporträts sind nun zu sehen. Jeder Ausstellungsraum widmet sich darüber hinaus einem speziellen thematischen Motto, das unseren Besucher_innen einen neuen inhaltlichen Zugang ermöglichen soll. Dies kann künstlerische Prinzipien betreffen, wie die Beziehung zwischen den Darstellenden Künsten und der Malerei, wie das Selbstbild des Künstlers, oder auch die Kunst der Täuschung durch die Malerei. Aber auch sehr aktuell anmutende Themen sind zu entdecken, z. B. die Migration von Künstlern in Zeiten des Dreißigjährigen Krieges oder die Bedeutung der Familie in der Gesellschaft. Die verstärkte Besucherorientierung äußert sich auch darin, dass in der neuen Galerie zum ersten Mal jedes Kunstwerk eine Einzelbildbeschreibung erhalten hat. Die kurzen Bilderläuterungen bieten im Zusammenspiel mit einem kostenlosen Booklet mit den Raumtexten  die Möglichkeit zur vertiefenden Auseinandersetzung mit den Themen der einzelnen Säle.