Ein Saurier namens Michel

Ein Grabungsteam des Naturhistorischen Museums in Braunschweig hat im September 2011 in Hondelage vor den Toren der Stadt Braunschweig zwei Ichthyosaurier gefunden und geborgen - ein vollständiges, sowie ein in Teilen erhaltenes Skelett. Beide konnten in einem Block liegend geborgen werden und machen den Fund somit weltweit einzigartig.

Die zweiwöchigen Geländearbeiten in Hondelage fanden unter großem Medieninteresse statt. Dank einer Namensausschreibung der Braunschweiger Zeitung ist der Ichthyosaurierfund nun unter dem Namen „Michel aus Hondelage“ bekannt geworden.

Die Ichthyosaurier oder „Fischechsen“ waren schnelle Schwimmer mit torpedoförmigen Körpern, zu Paddeln umgebildeten Gliedmaßen und einer halbmondförmigen Schwanzflosse, die in der Trias, im Jura und in der Kreidezeit die Meere bevölkerten. Sie starben noch während der Kreidezeit aus. Mit ihren langen Schnauzen und spitzen Zähnen jagten sie kleine Meeresbewohner wie Fische und Tintenfischartige. Während in Süddeutschland Ichthyosaurierfunde aus dem Unteren Jura nicht selten sind, sind aus Norddeutschland deutlich weniger Exemplare bekannt.

 

Die Entdeckung dieser beiden Meeressaurier erfolgte zufällig bei gezielten Baggerarbeiten am Geopunkt Hondelage im Rahmen eines gemeinsamen Grabungsprojekts des Museums mit dem Förderkreis Umwelt- und Naturschutz (fun) in Hondelage. Es handelt sich hierbei um zwei Exemplare unterschiedlicher Arten, das komplette Skelett eines Stenopterygius sp. und das nur noch in Teilen vorhandene Skelett eines Eurhinosaurus longirostris, die übereinanderliegend aufgefunden wurden.

Innerhalb weniger Tage hatte das Team aus haupt- und ehrenamtlichen Museumsmitarbeitern unter der Leitung von Dr. Ralf Kosma, dem Paläontologen des Museums, das fast vollständige Skelett des Ichthyosauriers und das Teilskelett freigelegt. Von der Schnauzenspitze bis zur Schwanzspitze misst der Stenopterygius etwa 3,25 m, der Eurhinosaurus longirostris hatte vermutlich ähnliche Proportionen. Beide Ichthyosaurierarten lebten vor ca. 175 -180 Millionen Jahren im Jurameer. Es gelang dem Team, eine Blockbergung vorzunehmen, bei der die Knochen im Fundzusammenhang bleiben konnten. Der gut 3,5 m große und etwa eine Tonne schwere Block wurde in Kunstharz eingebettet. Seit die Präparationsarbeiten beendet sind, sind die Ichthyosaurier in einer Lichtvitrine im ersten Stock des Naturhistorischen Museums ausgestellt.