Wir möchten Ihnen gerne Projekte vorstellen, an denen unsere Kolleginnen und Kollegen hinter den Kulissen arbeiten.

Linke Seite: Blaue Kasel mit wellenartigen Blumenranken in Silberbroschierung, Ende 18. / Anfang 19. Jahrhundert (?), Osteuropa, Gemeinde Gudenieki; Rechte Seite: Aufwendig gearbeitete Kasel mit Muster aus silbernem Blattwerk mit einer großen roten und zwei gelben runden Blüten, die großen Blätter und der Strauß ähneln der roten Kasel aus Viļakā Muiža, spätes 18. Jahrhundert (?), Osteuropa, Gemeinde Viļakā Muiža.
Linke Seite: Kasel aus blauer Seide mit wellenartigen Blumenranken in Gold- und Seidenbroschierung, 1875, Osteuropa, Gemeinde Viļakā Muiža; Rechte Seite: Kasel aus roter Seide mit Ornament- und Blattrankenmuster aus Gold- und Silberfäden, spätes 18. Jahrhundert, Osteuropa, Gemeinde Viļakā Muiža.


Kooperationsprojekt mit der HAWK Hildesheim und dem Rigaer Baucollege

Im Rahmen einer Kooperation mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften und Künste in Hildesheim und dem Rigaer Baucollege besuchte die Textilrestauratorin Eva Jordan-Fahrbach für 10 Tage Kuldīga (ehem. Goldingen) in Kurland in Lettland. Ziel des Erasmus-Projektes ist die Konservierung der barocken Innenausstattung der dortigen katholischen  Trinitatiskirche.  Während sich die Studentinnen aus Hildesheim und Riga in deutsch-lettischen Gruppen dem Orgelprospekt, zwei Seitenaltären und der Kanzel widmeten, analysierte Frau Jordan-Fahrbach konservatorisch gefährdete seidene Messgewänder aus verschiedenen lettischen katholischen Kirchen. Dabei geht es zunächst um die Einordnung und Bewertung der Objekte, um sie ggf. unter Denkmalschutz zu stellen.
Bei der Arbeit an 5 Kaseln und einem Chormantel machte Eva Jordan-Fahrbach spannende Entdeckungen: so sind die webtechnischen Merkmale von den vier dargestellten priesterlichen Messgewändern gleich. Zusätzlich weisen die rote und grüne Kasel starke Ähnlichkeiten in der Ornamentik auf: Diese beiden Kaseln aus dem Besitz der Gemeinde Viļaka Muiža(Marienhausen) entstanden vermutlich im späten 18. Jahrhundert und zeigen im Muster ein auffallendes Blattwerk mit Sträußen aus je drei Rosenknospen.

Momentan beschäftigt sich Frau Jordan-Fahrbach mit der spannenden Frage nach Herkunft und Datierung der Stoffe und ist auf der Suche nach Vergleichsmaterial mit ähnlicher Webstruktur aus Frankreich, aber auch Russland und Polen.

Gefördert wird das Projekt u. a. vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

Informationen zu der Arbeit der Studentinnen der HAWK Hildesheim finden Sie hier.

 

Kasel, Gandersheim 14. Jahrhunderts, Seiden- und Goldstickerei in Anlagetechnik auf gemustertem byzantinischen Samnit des 8./9. Jh., Goldmotive bis auf Reste ausgeschnitten; 138 x 219 cm

Eine mittelalterliche Kasel - Erforschung der Gebrauchsspuren aus 500 Jahren

In Zusammenarbeit mit Dr. Martin Hoernes im Auftrag für das Domstift in Gandersheim konnte eine mittelalterliche Kasel, die nur noch als Fragment erhalten war, rekonstruiert werden.
Die genaue Analyste des noch erkennbaren Stick- und Webmusters gab spannende Hinweise auf die ursprüngliche Gestaltung, sowie Herkunft und Verwendungszweck des Objektes.
So konnte auch belegt werden, dass die Kasel ein im 14. Jahrhundert gebräuchliches Meßgewand war, dessen kostbar gemusterter Seidenstoff im 8./9. Jahrhundert in Byzanz gewebt wurde und im 12. Jahrhundert mit eingesetzten Stoffstreifen umgearbeitet wurde.