Die Rückkehr des Nationalen

08. Februar 19:00  - 20:00 Uhr

Vortrag von Prof. Dr. Ulrich Menzel

Eintritt frei

Ort: Braunschweigisches Landesmuseum, Burgplatz 1, 38100 Braunschweig

Grenzziehungen zur Definition des Eigenen und des Fremden, zur Bildung lokaler, nationaler oder auch Nationalstaaten übergreifender Identitäten durch Wertegemeinschaften, politische Unionen, Wirtschaftsgemeinschaften oder Sicherheitspartnerschaften sind Konstrukte, da ihr jeweiliger Verlauf und ihre Reichweite variabel sind. Orient gegen Okzident, Norden gegen Süden, Islam gegen Christentum, Osteuropa gegen Westeuropa, Deutschland gegen Frankreich, Bayern gegen Preußen, Hannover gegen Braunschweig, Volkmarode gegen Hondelage.

Bis 1945 war der Nationalismus eine wesentliche Ursache solcher Grenzziehungen. Seitdem gab es mit der Gründung der Vereinten Nationen oder der Europäischen Union den Versuch, diesen zu überwinden und durch Institutionen wie das Völkerrecht, die Universelle Deklaration der Menschenrechte, den Internationalen Gerichtshof oder eine liberale Weltwirtschaftsordnung zu ersetzen. Das Ende des Ost-West-Konflikts verlieh der Idee unter dem Begriff „Neue Weltordnung“ zusätzlichen Schub. Zumindest in Europa schien man der Realisierung bereits sehr nahe. Seit etwa zwei Jahren erleben wir die Auflösung der multilateralen Ordnungen, die Rückkehr des Nationalen, gar eine Renaissance der nationalistischen Begrifflichkeiten.

Im Vortrag wird den tieferen Gründen wie den aktuellen Anlässen für diesen Paradigmenwechsel nachgegangen, der sich in der großen Politik wie in den kleinen Dingen des Alltags manifestiert.