Erforschung des Glasbestandes

Das interdisziplinär angelegte Forschungsprojekt widmete sich der wissenschaftlichen Erschließung einer der bedeutenden Glassammlungen Norddeutschlands.
Bei dem Projekt arbeitete das Herzog Anton Ulrich-Museum mit dem Kunstgeschichtlichen Seminar der Georg-August-Universität Göttingen zusammen. Die Partner kooperierten zudem mit weiteren Hochschullehrern und dem westfälischen Glasforum, einem Zusammenschluss von Glasspezialisten.

 

Riesen-Deckelpokal, um 1730, Norddeutschland (?), Inv. Gla 7
Riesen-Deckelpokal, um 1730, Norddeutschland (?), Inv. Gla 7


Erforschung des Glasbestandes im Herzog Anton Ulrich-Museum

Ziel des seit von 2011 bis 2013 laufenden Projektes, das vom Land Niedersachsen im Rahmen des Forschungsprogramms "Pro Niedersachsen" gefördert wurde, war die wissenschaftliche Bearbeitung der Glassammlung. Neben der Erforschung der Einzelobjekte sollte auch grundsätzlichen Fragen nach der Produktion frühneuzeitlicher Gläser nachgegangen werden. Ebenso wurden die Verwendung und Funktion der einzelnen Stücke im Rahmen der höfischen Tischkultur näher betrachtet.
Sechs Studierende, die in einem Seminar bereits erste Kenntnisse über die Glasbestände des Hauses erarbeitet hatten, verzeichneten die Objekte unter Anleitung von Projektleiterin Dr. des. Nicole Brüderle nach vorgegebenen Kriterien.

Die gewonnenen Ergebnisse wurden im 2013 erschienen Bestandskatalog publiziert.

Millefiori Glas, um 1500, Italien, Inv. Gla31
Millefiori Glas, um 1500, Venedig, Inv. Gla 31

Die Glassammlung des Herzog Anton Ulrich-Museums umfasst etwa 130 Objekte.  Die Bestände reichen von norditalienischen Gefäßen des 16. Jahrhunderts bis zu Gläsern des 19. Jahrhunderts. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf der Hohlglasproduktion des 18. Jahrhunderts; hauptsächlich vertreten sind Erzeugnisse der welfischen Glashütten Lauenstein und Schorborn.

Dr. Joachim Lutz, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Curt-Engelhorn Zentrums für Archäometrie während der Untersuchung der Gläser mittels Röntgenfluoreszenzanalyse.
Dr. Joachim Lutz, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie, während der Untersuchung der Gläser mittels der Röntgenfluoreszenzanalyse.

Viele Fragestellungen in der Glasforschung können durch eine rein kunsthistorische oder auch archäologisch-typologische Vorgehensweise nicht beantwortet werden. Chemische Analysen können Aufschluss über die Glaszusammensetzung und damit über die Herkunft der Rohstoffe oder sogar über die exakten Produktionsstätten geben. In Kooperation mit dem Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie in Mannheim wurde die chemische Zusammensetzung der Gläser mittels der zerstörungsfreien Methode der Röntgenfluoreszenzanalyse hier im Haus untersucht.
Die Ergebnisse der Analyse werden Anfang nächsten Jahres in dem Katalog erstmals publiziert.