Lange Zeit im Tresor verborgen, haben nun einige der wertvollsten Objekte des Naturhistorischen Museums einen Platz in der Dauerausstellung gefunden. Die Schatzkammer bietet einen Blick in die alte herzogliche Sammlung und präsentiert die ältesten und wertvollsten Objekte des Museums. Hier erwarten den Besucher kein Gold und Silber, sondern das schimmernde Perlmutt von Venusmuscheln, ein handbemalter Schildkrötenpanzer und das weltweit einzigartige Paar Strümpfe aus Muschelseide.

Die Schatzkammer

Kunst- und Wunderkammern – Verwunderung und Staunen

Mit den sogenannten Kunst- und Wunderkammern entstanden im 16. Jahrhundert die Vorläufer heutiger Museen. Hier wurden allerlei Gegenstände gesammelt, die durch ihre Seltenheit den Betrachter in Verwunderung und Staunen versetzen sollten. Hier versammelten sich neben wissenschaftlichen Instrumenten auch Kunstwerke, naturkundliche Objekte und andere Kostbarkeiten. Ein wichtiges Merkmal war die Seltenheit der Objekte.

Der Ursprung unserer Sammlung

Im 17. Jahrhundert wurde der Grundstock für die Sammlung des Staatlichen Naturhistorischen Museums gelegt. Ab etwa 1666 sammelte Herzog Ferdinand Albrecht I. von Braunschweig und Lüneburg in seiner Wunderkammer auf Schloss Bevern Kunstgegenstände und naturkundliche Objekte. Etwa 20 Jahre später gründete auch sein Bruder Herzog Anton Ulrich eine Wunderkammer auf Schloss Salzdahlum. Aus diesen Sammlungen sind heute noch Objekte im Naturhistorischen Museum  erhalten: die Kaspische Wasserschildkröte, die auf ihrem Rücken ein Wappen trägt, das Skelett einer Europäischen Sumpfschildkröte, ein Sägefisch und ein Paar bemalte und vergoldete Venusmuscheln lassen sich auf die Sammlungen des 17. Jahrhunderts zurückführen und versetzen noch heute Besucher ins Staunen.

Herzog Carl I. von Braunschweig und Lüneburg – Aufklärer und Museumsgründer

Herzog Carl I., der Urenkel von Herzog Anton Ulrich, regierte ab 1735 fast 45 Jahre lang das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel. Er erbte einen Großteil der Objekte von Schloss Bevern und Salzdahlum und führte die Sammlungen seiner Vorfahren in einem Kunst- und Naturalienkabinett zusammen. Ganz im Sinne der Aufklärung machte er dieses 1753/54 der Öffentlichkeit zugänglich. Damit gründete er das erste öffentliche Museum Deutschlands aus dem sowohl das Staatliche Naturhistorische Museum als auch das Herzog Anton Ulrich-Museum hervorgingen. Ein wichtiges Anliegen Carls war die Bildung seiner Landeskinder. Sein Museum sollte naturkundliches Wissen und kulturelle Bildung fördern.

Als innovativer Herzog mit fortschrittlichen Ideen gründete er auch andere bedeutende Institutionen. Darunter waren eins der ersten Leihhäuser (heute Norddeutsche Landesbank), eine Brandversicherungsanstalt (heute Öffentliche Versicherung) und das Collegium Carolinum (heute TU Braunschweig). Außerdem versuchte er die Wirtschaft anzukurbeln indem er den Bau staatlicher und privater Fabriken unterstützte. Um die Seidenindustrie zu etablieren ließ Carl I. auf Landeskosten Maulbeerbäume für die Seidenraupenzucht in Braunschweig, Wolfenbüttel und Königslutter anpflanzen. Das Unternehmen scheiterte an den empfindlichen Seidenraupen, die das Klima in Deutschland nicht vertrugen.

Die Kostbarkeiten in der Schatzkammer

Durch die wechselvolle Geschichte des Museums sind nur noch wenige Objekte der ursprünglichen Sammlung erhalten, umso bedeutender ist der Erhalt des Färöer Kolkraben, einer seltenen Unterart des Kolkraben. Das Präparat wurde 1755 für die Naturalienkammer vom Herzog von Orléans erworben und ist bis heute erhalten geblieben. Weltweit gibt es nur noch 14 Museumsexemplare dieses seltenen Vogels.

Auch die anderen Schatzkammerobjekte erzählen spannende Geschichten: Ein Ammonit, der angeblich vom Himmel fiel, Kröten, die ihre Jungtiere in der Rückenhaut austragen, Schnecken, aus denen man den Farbstoff Purpur gewinnt und ein Elefantenembryo, der das Interesse des Dichters Johann Wolfgang von Goethe weckte.